Der Anruf

*Hey Tod … du bist ´ne Arschgeige … du kommst auf meine LISTE …*

 

Wer meine letzten Beiträge verfolgt hat … versteht vielleicht …

warum mir der folgende Text … wieder in den Sinn kam …

den ich vor einigen Jahren schrieb … als meine tapfere Helden-Mutter …

nachdem SIE den Krebs … nach Meinung der „Ärzte“ ja schon „besiegt“ hatte …plötzlich wieder …um ihr Leben kämpfen musste …

 

Der Anruf

26 Kämpfe … 26 Siege … 23 davon durch K.O. … das liest sich wie eine ziemlich erfolgreiche Statistik.

aber was sagen Zahlen und Statistiken im allgemeinen überhaupt aus?
nicht wirklich viel … wie ich denke … denn erstens zählen im Sport errungene Erfolge …  für die meisten der sportbegeisterten … nur wenn sie bei Weltmeisterschaften … Olympischen Spielen … oder ähnlich „wichtigen“ Veranstaltungen zu Stande kamen und zweitens denke ich … dass die wirklich entscheidenden „Schlachten des Lebens“ außerhalb des Rings geschlagen werden.

da sieht meine Erfolgsbilanz … leider wesentlich weniger beeindruckend aus … doch
dazu kommen wir gleich.

einen Sieg zu feiern … egal für wie wichtig ich diesen zu dem jeweiligen Zeitpunkt auch halten mochte … verbot mir zum einen der Respekt vor dem Gegner und zum anderen die Einstellung meines damaligen … asiatischen Trainers … der mir nicht nur im Sport oft den richtigen weg weisen konnte. ( R.I.P. Miyachi San … miss you like HELL)

in der Einsamkeit nach dem Kampf … kam oft ein Anruf … nicht um zu loben oder zu
gratulieren … sondern eher um zu analysieren und falls schon bekannt … die nächste
„Herausforderung“ zu besprechen.

nach einem solchen Gespräch folgte oft ein Moment des stillen Gebets … für den Gegner … uns selbst und den nächsten Gegner.

ihm war immer klar … dass ich es nicht so mit dem GLAUBEN habe … aber er sagte stets … dass sein GLAUBE stark genug … für uns beide wäre.

den Schutz höherer Mächte … egal an WAS oder WEN der einzelne glauben mag … konnten und können wir nach Mr. Miyachi´s – und auch nach meiner Meinung … wohl alle brauchen.

in diesem … für manche völlig „Sinn-freien“ Sport und erst recht, für die
wirklich wichtigen Kämpfe … jenseits des Vierecks.

warum ich damals die Lust am kämpfen hatte … erschließt sich im nachhinein selbst mir nur zögerlich … da es der Spaß am verletzen meiner Gegner … in meinem Fall … ganz sicher nicht sein konnte.

das lag mir ebenso fern wie die Absicht … manch „alten“ Mannes … auf biegen und
brechen … in den Ring zurückzukehren.

auf Fragen … nach meiner Motivation … antwortete ich damals oft lapidar :

*I Need Competition !*

das mag zum Teil auch richtig sein … doch in Wahrheit war wohl auch viel Sucht nach
Bestätigung … Anerkennung und der Wunsch … einfach in irgendwas der Beste zu sein … eine entscheidende Triebfeder.

so what …?

dankbar bin ich für jeden dieser Kämpfe … denn in dieser … noch frühen Lebensphase … profitierte meine Entwicklung zu dem Menschen … für den ich mich heute
halte … sicher maßgeblich.

in der Bilanz der wirklich wichtigen Kämpfe … die ich für andere gewinnen wollte … sieht es dagegen düster aus.

das Leben hat halt seine ganz eigenen Regeln und „Fairness“ darf da von
vorn herein ausgeschlossen werden.

weder konnte ich den Kampf um das Leben meines Vaters … der allerdings schon im
Bewusstsein des nahen Todes nach Deutschland zurück kehrte gewinnen … noch schafften wir es … bis zu seinem Ende … alle unsere Differenzen ad acta zu legen.

No matter … ruhe in Frieden,Papa.

dieser Kampf dauerte lang … wurde zum Glück … als er vor vielen Jahren anfing … für eine gute Zeit … in der mein Dad ein schönes leben in Spanien führen konnte unterbrochen … ging aber in den letzten Stunden … in denen er selbst nicht mehr die Kraft hatte … wirklich zu kämpfen und ich mich berufen fühlte … wie ein Ignorant … einfach die Tatsache zu überprüfen … dass wir alle irgendwann gehen müssen … doch in der xten Verlängerung an den Tod.

nachdem ich endlich in der Lage war ihn gehen zu lassen … er seine ruhe fand und ich
einsah … dass dieser Kampf nicht zu gewinnen war … kam der nächste „Anruf“…

die Tierklinik bestätigte den schlimmsten verdacht … und weiter ging es … ohne pause … ohne Erholung … ohne vorbereitet zu sein auf diesen mächtigen Gegner … der sich noch immer für jeden als unbesiegbar erwiesen hat … (und der hat mehr als 26 kämpfe vorzuweisen)
aber in diesem Fall mußte doch was zu machen sein … schließlich hatte er sich mit meinem Drago und mir angelegt und wir hatten bis dahin auch noch nie verloren.

alle Veranstaltungen an denen wir teilgenommen haben … von der ersten Prüfung bis zur letzten Meisterschaft … gingen an uns … auch bei starker Konkurrenz …

also … auf in den Kampf …

auch hier war ich wohl nicht wirklich ein ernstzunehmender Gegner für Gevatter Tod ….

nachdem wir ihn unter Einsatz aller unserer Mittel  … (Freundschaft,Liebe,Stärke,Mut,Zuversicht,Durchhaltevermögen und einer nicht wirklich erwähnenswerten Summe im fünfstelligen Bereich)
in mehrere Verlängerungen gezwungen hatte … zeigte der Tod nochmals… dass er an einem fairen Kampf … nicht im mindesten interessiert war.

statt uns ein wohl verdientes „Remis“ anzubieten und wenn es schon unbedingt sein mußte … auf ein späteres „RE-Match“ zu bestehen …
demütigte er mich … indem er mich zwang … meinen einzigen Freund zu töten … ihn zu erlösen … ihm weiteres Leid zu ersparen.

diesen Moment fürchtete ich schon …als ich diesen knuddeligen Welpen … 12 Jahre zuvor abholte … ihn auf unseren Zusammenhalt bis ans Ende „einschwor“ und die unglaublich gute Zeit mit diesem „Super-Rotti“ begann.

nun blieb mir nichts … als das Handtuch zu werfen und ihm die Schmach zu ersparen … selbst aufzugeben.

dies hätte er wohl … schon um mich nicht zu enttäuschen … nie getan. (sturer
Sack … Umgang prägt wohl doch)

2 zu 0 gegen mich … und wohl kaum Aussicht zu verkürzen.

der einzige Mensch,den ich kenne … von dem man denkt … dass er diesen „Tod“ bezwungen hat … ist meine Mutter.

in ihrem Fall … wählte unser „Angstgegner“ die heimtückische Waffe Krebs und selbst ohne meine Hilfe … ( zu der zeit hatten wir leider keinen Kontakt und waren einander sehr fern)
kämpfte sie und wurde nach kurzem … harten und nur scheinbar fairen Kampf … zur Siegerin nach Punkten erklärt.

in der Phase … die man wohl als „Waffenstillstand“ vermuten würde … quälte der schlechte Verlierer sie weiter … mit allem was er hatte.

mehrere gesundheitliche Probleme … der Kampf um das Leben ihres Mannes … dessen Verlust nach seinem verlorenen Kampf gegen den Krebs … und ein paar andere „Linkheiten“ sollten sie mürbe machen … und dann …

bekam ich wieder einen Anruf …

von meiner Mutter …

*der Krebs … ER IST WIEDER DA …*


 

*an alle … für oder gegen die ich je gekämpft habe oder noch kämpfen werde …
ihr könnt sicher sein … dass ich immer mein *Bestes* gab und geben werde …

und … JA … ich hatte recht …

AM ENDE KANN ES NUR EINEN GEBEN …

aber wie es aussieht …

bin das in den „ultimativen Fights“ …

wohl doch nicht … – ich …*

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88 Gedanken zu “Der Anruf

  1. Klar tut das weh – das ist so
    Aber irgendwo im Ende ist immer Trost
    Meine Mutter – in der Art, wie sie starb – leicht, ohne Kampf, sie konnte akzeptieren und los lassen
    Und mein Mann – das ear schon fies – sie hatten ihn in’s künstliche Koma gelegt – aus dem er nicht wieder erwachte – ohne mir Bescheid zu sagen – aber dann, im Tod, sah er wieder so aus wie vor seiner Krankheit – das war echt irre – da sah er wieder voll okay aus und das hab ich dann verstanden als Es ist okay

    Wir können uns da eh aufn Kopp stellen und mit den Beinen strampeln – gegen manches biste einfach machtlos

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      1. Einer der schlimmsten Momente in meinem Leben war der als ich umgeschaltet hab
        – ich gehör ja nu zu denen die beten aber irgendwie mein ich dann doch ich bin verantwortlich, kann was bewirken mit dem was ich bete 🙃
        Tja – das umschalten von Lieber Gott lass ihn nicht sterben zu Lieber Gott lass ihn endlich sterben –
        Das fühlte sich auch an, als hätte ich ihn jetzt umgebracht… aber es war einfach so ein Elend… und das dem – der immer stolz und stark war und auf alles gepfiffen hat…

        Aber guck ma – wer nicht liebt, der hat das nicht – es gibt ja Menschen die aus Angst zu verlieren nicht mehr lieben – dann biste schon tot selbst wennde noch lebst!

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        1. vielleicht bin ich auch deshalb so ein Emotions-Krüppel …

          deine Gedankengänge kann ich bestens nachvollziehen … zumal ich bei meinem Vater und noch direkter bei meinem Drago … für das Ende verantwortlich war …

          es ist dann irgendwann Alternativlos … du kannst nichts mehr tun … nur noch erlösen …

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          1. Poesiealbum:
            Viel mehr Blumen während des Lebens denn auf den Gräbern sind sie vergebens
            Das ist das was wir machen können
            Meinen Vater hab ich ja noch vor mir… öööh… voraussichtlich, wer weiß. .. und was mach ich?
            Ich ruf ihn morgens an und ich ruf ihn meist nachmittags noch mal an (seit er alleine ist)
            Damit ich sagen kann – von meiner Seite aus ist es okay – damit da hinterher kein Hätt ich mal ist…

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    1. Ja, gegen manches bist du machtlos. Der Tod unserer Tochter war letzten Endes für sie eine Erlösung, mitnichten aber ein Trost. Den gibt es bis heute nicht. Und ich will es auch gar nicht. Niemals werde ich akzeptieren, dass sie an einer so heimtückischen Krankheit leiden und sterben musste. Niemals werde ich akzeptieren, dass Kinder überhaupt so geschlagen werden. Darin liegt kein Sinn! Keiner! Niemals!
      Auch wenn ich weiß, dass sie mittlerweile wiedergeboren wurde, weil ich im Traum zugegen war, sie nun in ihrem Land und bei ihrer wahren Mutter bleiben kann. Gleichwohl war ich es auch – ihre wahre Mutter – mit all der Liebe, die man für ein Kind nur haben kann, was selbst eine Familienaufstellung zeigte. Und dennoch ist es besser so für sie. Aber für all das hätte es nicht neun Jahre an Schmerz und Elend gebraucht. Das werde ich nie verzeihen.

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          1. allein kann man sowas auch wohl kaum bewältigen …

            Trotzdem dürfte keine Familie einer solchen „Prüfung“ unterzogen werden …

            würde mir in einer solchen TRAGÖDIE ein Geistlicher mit dem *lieben Gott* kommen … hätte dessen Familie auch einen Trauerfall zu verarbeiten …

            tut mir (nicht) leid … aber ich bin wie ich bin …

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            1. Eh klar. Unser Pfarrer hätte es auch nicht gewagt, in meiner Gegenwart von der göttlichen Weisheit zu reden, die wir nur nicht verstehen. Die Trauerrede habe ich ihm verweigert und selbst gehalten mit dem Schlusswort: Wir alle sind maßlos wütend und traurig über Neles Schicksal und diesen sinnlosen Tod. Und zum Teufel! Sie hat es verdient, dass wir uns von dieser Trauer so bald nicht erholen werden.

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  2. Manchmal ist die Erlösung das Beste, auch wenn es viele Hinterbliebene nicht sehen möchten. Bei älteren Verstorbenen ist es leichter zu akzeptieren da sie ihr Leben schon gelebt haben. Bei Jüngeren ist es kaum zu ertragen und verstehen will man es auch nicht.

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        1. wie sagte ich immer … wenn es mal wieder … in einen angeblich *aussichtslosen* Kampf ging …

          * lasst die SPIELE beginnen … die TOTEN … werden NACH der Schlacht gezählt … wer kämpft KANN verlieren … wer nicht kämpft … HAT verloren …*

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  3. Ein sehr berührender Bericht, deine Emotionen kann ich voll und ganz nachvollziehen. Ich habe auch meinen Vater verloren, während ich ihm die Hand hielt und er zu mir sagte, ich solle nicht traurig sein, weil er sich (krebskrank) nun danach sehne, heimzukehren … an den Ort, von dem aus er einst ins Leben startete.
    Und ich habe auch zwei Hunde und eine Katze verloren, was mir fast das Herz brach. Es fällt schwer, den Tod nicht als Gegner zu sehen. Aber ich denke, für viele ist er sogar ein erwünschter Freund, der kommt, um uns heim zu führen. Wir müssen loslassen lernen, wenn jemand geht … und die, welche gehn, müssen auch loslassen. Der Tod gehört unausweichlich zum Leben. So schwer das auch zu begreifen und schon gar nicht zu akzeptieren ist.

    LG zu dir,
    Christel

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  4. Ein sehr berührender Bericht der mich an meinen Papa denken lässt, der vor einigen Jahren an Magenkrebs gestorben ist. Er wollte noch nicht sterben, wollte unbedingt noch seinen Geburtstag erleben. Obwohl die Ärzte sagten er schafft das niemals hat er seinen Geburtstag mit eisernem Willen noch drei Monate überlebt. Dann ist er friedlich zuhause in seinem Bett eingeschlafen.
    Ich vermisse ihn! Ja stimmt derKrebs ist ein Arschloch

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  5. Lieber Held,

    hier ist bereits alles gesagt worden, wenn auch nicht von mir 😉 Es gibt keinen „gelassenen“ Umgang mit dem Tod, mir fällt es etwas weniger schwer, damit umzugehen, wenn ich ihn annehmen kann als Teil unseres ewigen Kreislaufes von werden und vergehen. Mit dem Verstand allerdings geht das nicht … auch Zorn kompensiert die große Trauer nur für eine Weile. Fließen lassen hilft – und ich weiß, wie schwer das sein kann.

    Grüße.

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  6. sehr traurig-wütende emotionsgeladene Zeilen….seufz…

    Der Tod ist nicht unser Feind, er gehört zum Leben. Und der Tod ist kein Problem der Sterbenden, sondern der Lebenden….

    Krebs ist furchtbar, er ist ein Gegner gegen den die Ärzte kämpfen, aber sie gewinnen nicht.
    Heilung funktioniert nicht, indem man den Körper noch mehr vergiftet, denke ich.

    Mir gab man nur noch zwei Monate zu leben, dennoch lehnte ich alles ab, keine OP, keine Chemo, keine Bestrahlung….ich musste unterschreiben, dass ich das alles nicht will, wurde als unzurechnungsfähig und verantwortungslos von den Ärzten hingestellt….ich hätte zur Mörderin werden können, weil sie mich so mies behandelten 😦

    Der Tod tut weh für die, die nicht mitgehen….wenn er aber natürlich abläuft, ohne Leiden, dann ist es besser, das Leiden bleibt einem aber ewig im Gedächtnis.

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    1. gegen den Tod hab ich nix … nur gegen das
      Leiden …
      wenn ich schon Fleisch esse … muss ich ja die Tiere nicht vorher auch noch quälen …
      warum dann den Menschen?

      nebenbei erwähnt … habe ich den *Kontakt zu meinen „Ärzten“ auch längst abgebrochen* und was die davon halten … geht mir am ARSCH vorbei …

      es interessiert die nämlich eh nicht … was mit mir los ist …

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      1. Ja, so sehe ich es auch.

        Ich habe auch den Eindruck, dass die Ärzte, jedenfalls die meisten, nur der Profit interessiert und nicht, wie es ihren Patienten damit geht.

        Ich finds schlimm genug, dass ich wegen Rezepten immer wieder hin muss, das ist jedesmal ein irrer Stress für mich.

        Gefällt 1 Person

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