Fleischeslust

… nachdem der *plichtbewußte bodyguard* die zielperson in den flieger nach amiland gesetzt hatte … war der auftrag für mich erledigt und ich „flog“ über die erfreulich freie autobahn von Frankfurt zurück in richtung Düsseldorf. … in höhe Leverkusen kamen eine menge erinnerungen hoch und da ich plötzlich lust auf ein unanständig großes stück fleisch habe, nehm ich die ausfahrt und kurs auf das steakhouse, … wo ich früher mit Bianca die seltenen „anfälle“ von lust auf fleisch, einer frau die eigentlich vegetarisch lebte in einer besorgniserregenden art auslebte. …

… sie war so ungewöhlich wie eine frau wohl sein muß, die einem typ wie mir in nullkommanix den kopf dermaßen verdreht,dass ich nicht mehr wußte ob ich sie einfach nur anbeten … oder zum teufel wünschen sollte. …

… typ intelektuelle kindfrau mit sündhaftem körper.
verdreht,total verpeilt,gebildet,unbeholfen,naiv,abgebrüht,zärtlich,
brutal leidenschaftlich,heilige,hure,freund,feind,
eiskalt,immer heiß,emotionskrüppel,besessen liebend,atemberaubend schön ob auf unseren ausflügen ans meer im matrosenshirt und hautengen jeans, oder im chanel-kostüm wenn sie mich im autohaus abholte um mich zu irgendeiner kunstausstellung oder in ein langweiliges theaterstück zu schleppen, was mich in gleichem maße anödete, wie mich der belohnungssex danach begeisterte. … sie war immer ein erlebnis, besonders aber nachdem sie eine portion kultur … und ganz besonders … wenn sie eine überdosis fleisch hatte. …

… so machten wir die regelmäßigen besuche in dem steakhouse zu einem ritualisierten happening der ganz besonderen art. … es hatte etwas von einem rollenspiel … wie sie mir zu liebe zur genießerin … meiner art zu genießen wurde. …

… nach jahren der abwesenheit … parkte ich also wie immer auf meinem zufällig freien parkplatz … setzte mich auf unseren stammplatz, von wo ich mein gefährt gut im blick habe, … bestelle wie immer ein 750 g. t-bone und zum nachtisch … 350 g. filet. … beilagen nicht nötig. … grünzeug forbidden … by death. …

… die wartezeit vertreiben mir die gedanken an dich … wie du bei jedem stück fleisch … welches du dir in deinen sinnlichen mund gesteckt hast … lustvolle töne von dir gegeben hast … die … wie die neidischen blicke der anderen gäste bewiesen … diese nicht einmal bei anderen sinnesfreuden über ihre weniger glänzenden lippen gekriegt hätten.

… wie du mit mir gespielt hast … jede geste zur verheißung … jeder blick zum versprechen … und jede berührung zum angebot wurde. … das war nie ein einfaches candle-light-dinner … das war jedes mal ein exzentrisches vorspiel … zu einer nacht … die uns alles um uns vergessen ließ. …

zum ritual gehörte nach jedem menu … der in einem riesenschwenker celebrierte Cardenal Mendoza der gewöhnlich aus einer eigens für mich reservierten flasche im privatschrank des inhabers kam. … dazu auf einem kleinen silbertablett … die goldene schachtel Benson&Hedges … tja … damal rauchte und trank der held … und an zauberhaften frauen … kann er sich noch heute erfreuen.

weder an die einrichtung, noch an das personal kann ich mich erinnern. … bin nicht mal sicher, ob der typ der da jetzt von der theke zu mir rüber sieht … wirklich der geschäftsführer ist … dessen namen ich ehrlich gesagt auch nicht mehr weiß …

nur du Bianca … du bist auf diesem stuhl mir gegenüber … funkelst mich mit deinen glutaugen an … und versprichst mir … mit allem was du hast … ein comeback der leidenschaft.

* je länger ich nicht schlafe … desto realer wirken meine tagträume …*

… meine hände schieben sich bis über die tischmitte … hoffend … du würdest sie wie früher nehmen … sie küssen … und vergnügt zusehen … wie daraufhin ich deine hände küsse und dir mir diversen kleinen berührungen … zu einer kleinen gänsehaut verhelfe. …

… der typ von der theke steht plötzlich neben mir. … mit einem riesenschwenker in den er aus einer staubigen flasche einen ölig ausehenden und zum niederknieen duftenden Cardenal Mendoza gießt … um ihn anzuzünden und dann die flamme … mit einer schweren stoffserviette zu ersticken.

als er die flasche … auf der mein name und das datum … 06.12.1997 steht zur seite schiebt … entdecke ich auch die schachtel zigaretten, … die ich genau so wenig anrühren werde … wie diesen excellenten spanischen brandy der spitzenklasse. …

*schönes auto, alter freund * … sagt der freundliche spanier in seinem noch immer nicht akzentfreien , aber einwandfreiem deutsch.

* wir haben gehört, … die chica hätte dich getötet.*

… nun lächel ich ihn leicht bitter an …

* sie hat es versucht. … und beinah, … hätte sie es geschafft.* …

… nachdem ich ihm erklärt habe,daß ich 2010 wieder komme um die flasche auszutrinken und eine schachtel Benson & H… mit ihm zu rauchen verabschiede ich mich von ihm … das erste mal … seit fast 12 jahren. … auch wenn ein mann lange fort war … kehrt er auch nach vielen jahren als freund zurück.

… jedenfalls … bei meinen freunden aus dem süden. …

… und jetzt … mein schatz … verabschiede ich mich auch von dir. …

nach fast 12 jahren.

dass du versucht hast mich umzubringen … who cares?

… es war halt deine kranke art … mir zu zeigen … dass du mich „wahnsinnig“ liebst … und es ist mir lieber so … als nie von dir geliebt worden zu sein.

… aber,dass wir nie mehr zusammen die lust am fleisch teilen können …

das meine liebe … sollte ich dir wirklich … übel nehmen ..

59 Gedanken zu “Fleischeslust

  1. Schön, dass du sowohl dem Fleisch als auch dem Cardenal Mendoza immer treu geblieben bist. 😉

    Schöner und vor allem amüsanter Text. Den habe ich lange nicht mehr gelesen. Du springst darin in den Zeiten, das würde ich bei Gelegenheit gern mal korrigieren, wenn ich darf. Darf ich? Dann wird dein Text noch besser. Wetten, dass …?!

    Gefällt mir

    1. die sprünge zwischen den zeiten sollen die zerrissenheit des helden verdeutlichen … du BANAUSE …

      auch fängt der „pflichtbewußte bodyguard“ am flughafen an … wird schon auf der autobahn zu ICH … usw. tztztz … sie versteht mich einfach nicht …

      wie du weißt … bin ich auch dem Single Malt immer treu geblieben … noch heute stehen hier ca. 25 ausgesucht gute whiskysorten … und natürlich auch eine flasche Cardenal … das einzige was ich nach wie vor in rauhen mengen vernichte ist allerdings FLEISCH …

      Gefällt mir

        1. du verstehst mich wirklich nicht … darum ging es mir … der ganze TRIP … war ein einziges hin und her … während ich an dem tisch in dem steahouse saß …

          plötzlich war sie da … so nah … ihr duft … ihre berührungen … ihre provokationen …

          das alles … nennt man wohl KOPFKINO …

          diese frau verfolgt mich noch heute … auf einmal sehe ich sie in einem cabrio welches ich überhole … oder sie schlendert mit einem kerl über die KÖ …

          dabei weiß ich gar nicht … ob sie überhaupt noch lebt …

          Gefällt mir

  2. 750+350?!?! Bin beeindruckt! Würde mir für die ganze Woche reichen.

    Eine tolle Geschichte und Hommage an eine alte Zeit und alte Liebe. Gefällt mir sehr.
    Aber bitte kläre mich in einem Punkt auf: das mit dem Mordversuch ist doch nur bildlich und emotional gemeint? Nicht wörtlich, oder?

    Gefällt 1 Person

    1. nene … so´n bisschen gift war da schon im spiel …

      (für einen normal sterblichen hätte es sicher gereicht …)

      sie war jung … man(n) darf ihr das nicht übel nehmen …

      Gefällt mir

    1. is doch eh vergebene liebesmüh … wenn ich sterblich wäre … gäbe es mich längst nicht mehr …

      es ehrt dich allerdings … dass du mich leben lassen willst …

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s